Wie man ein toller und beliebter Podcastgast ist

Eine Sache, die mir am Podcasting besonders viel Spaß macht, sind Gastauftritte. Woanders eingeladen zu werden, empfinde ich immer als eine Art Auszeichnung. Mal bin ich mit einem meiner Lieblingsthemen gefragt, mal geht es um was völlig Neues aus das ich mich einstellen muss. Und weil mir ein paar Dinge immer erst nach der Aufnahme einfallen, dachte ich mir, ich stelle mal eine Liste zusammen, die sowohl Dir als auch mir als Merkhilfe dienen kann. Los geht’s:

1. Ansprechbar sein

Wenn Du irgendwo eingeladen werden möchtest, mach klar, dass dem so ist. Das kann durch Deinen Social Media-Auftritt oder auch eine Seite in Deinem Podcastblog funktionieren. Und: Mut haben. Viele Podcastende fragen aktiv nach Beteiligung durch Gäste, nutze das! Für Männer scheint das kein besonders großes Problem zu sein, wir neigen zu Sendungsbewusstsein und raumgreifendem Verhalten und laden uns im Zweifel auch mal selbst ein. Weil Frauen und nicht-binären Personen das häufig schwerer zu fallen scheint, gibt es podcasterinnen.org. Das ist ein Verzeichnis in dem man ausschließlich Frauen (cis & trans) und nicht-binäre Personen finden und kontaktieren kann, um sie in den eigenen Podcast einzuladen. Wenn Du in dieses Schema passt, leg ein Profil an! Wenn Du ein Mann bist, verlass Dich weiter darauf, dass man Dich schon finden wird. 😉

(Bitte beachte hier den feinen Hauch von Ironie: Ich bin selbst ein cis-Mann und werde immer mal wieder in Podcasts eingeladen, ohne dass ich etwas dafür tun müsste. Frauen müssen dafür häufig mehr strampeln, bei trans und nicht-binären Personen kriege ich das noch nicht mal mit.)

2. Vorbereitet sein, hier: inhaltlich

Ich finde eine gewissenhafte Vorbereitung wichtig. Du solltest zumindest grob wissen, wie der Podcast funktioniert, in dem Du zu Gast sein wirst und was Du beitragen möchtest. Höre Dir vielleicht ein paar der neueren Episoden an oder, wenn das nicht geht, sprich mit der einladenden Person darüber, was von Dir erwartet wird. Ich weiß für mich, dass ich über einige Themen halbwegs im Schlaf reden kann. Meine wichtigsten Argumente und Sichtweisen habe ich parat, trotzdem fallen mir immer nach der Aufnahme noch wichtige Punkte ein, die ich im Nachhinein gern eingebracht hätte. Ich habe mir deswegen vorgenommen, mir zumindest einige Notizen zu machen. Auf dieser Liste werden im Zweifel auch Dinge stehen, die ich zu meinem Thema ohnehin häufig sage, einfach nur, damit ich sie in der Aufnahme nicht vergesse. Vielleicht haben Deine Gastgeber aber auch eine Art Fragenkatalog vorformuliert

Ich persönlich finde ja „Stell Dich doch bitte einmal selbst vor“ als Einstieg in ein Gespräch oder Interview etwas ungelenk. Nach meiner Erfahrung mit Gastauftritten scheine ich damit der Einzige zu sein, deswegen ist es gut, eine Art Stehsatz zu haben. „Ich heiße Jörn, bin 42 Jahre alt, wohne in Husum und bin an 8 Podcasts in wechselnder Intensität beteiligt.“ reicht schon fast aus. Häufig kommt dann die Anschlussfrage, was das für Podcasts sind und schon sind wir im Gespräch.

3. Vorbereitet sein, hier: technisch

Die Liste, der technischen Vorbereitungen ist relativ lang, aber auch da entwickelt sich mit der Zeit eine gewisse Routine.

Für Remote-Aufnahmen z.B. über StudioLink:

  1. Für mich ist klar, dass alle im Haus wissen, dass ich ein Podcast-Date habe und in dieser Zeit nicht gestört werden möchte. Meistens klappt das auch ganz gut.
  2. Ich war vor der Aufnahme nochmal auf Toilette und habe ein Getränk in Reichweite. Stilles Wasser ist naheliegend, um Bäuerchen während der Aufnahme zu vermeiden.
  3. Ich habe mein Setup im Griff: Der Rechner und die fritzbox überraschen mich während der Aufnahme nicht mit Updates, Neustarts oder ähnlichem, denn das habe ich vorher alles schon erledigt. Audiointerface und Mikrofon sind scharf geschaltet und getestet.
  4. Das Handy ist ab Start der Aufnahme im Flugmodus oder zumindest stumm und liegt im zweiten Fall nicht in der Nähe des Mikrofonkabels, um Einstrahlungen zu vermeiden.
  5. Ich nehme mich von Anfang an selbst auf, falls es doch mal technische Schwierigkeiten gibt, kann ich so eine saubere Aufnahme beisteuern.
  6. Ich habe eine Liste aller relevanten Links, etwa zu meinen Podcasts, meinem Blog oder zu Quellen von denen ich sicher weiß, dass ich sie nennen werde, und kann sie nach der Aufnahme zur Verfügung stellen.
  7. Falls der einladende Podcast die Contributor-Funktion von Podlove nutzt, habe ich ein aktuelles Foto von mir vorbereitet, mit dem ich zufrieden bin.
  8. Ich bin pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt inhaltlich und technisch vorbereitet am PC. Die einladende Person weiß, wie sie mich zuschalten kann und wie ich im Notfall erreichbar bin, wenn etwas nicht klappt.

Für Vor-Ort-Aufnahmen:

  1. Ich bin pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt inhaltlich vorbereitet (s.o.) am Treffpunkt. Infos über mich und ggf. ein Foto für die Shownotes habe ich der Gastgeberin vorher angeboten.
  2. Ich habe vorher geklärt, ob ich irgendwelches Equipment wie z. B. ein eigenes Mikrofon, Headset oder Kopfhörer mitbringen muss und habe das anschlussfertig dabei.
  3. Ich gehe vor der Aufnahme noch einmal auf Toilette und bitte um etwas zu trinken. Ein trockener Hals ist echt der Endgegner.
  4. Ich teste die Lautstärke des Mikrofons und des Kopfhörers mit der Gastgeberin vor der Aufnahme.
  5. Ich habe ein Auge auf die Aufnahme: Läuft sie auch wirklich, wenn wir loslegen?

4. Dabei sein

An einem fremden Podcast teilzunehmen, erfordert eine Menge Konzentration. Du möchtest einerseits ausführlich und mit einer gewissen Tiefe über Dein Thema sprechen, andererseits aber auch nicht zu viel Raum einnehmen. Gleichzeitig möchtest Du auf Deine Gesprächspartnerinnen und das Gespräch selbst eingehen anstatt nur Deine Talking Points abzuarbeiten.

Das ist wirklich das schwerste von allem! Fragen beantworten, vielleicht auch selber welche stellen, wenn es sich anbietet. Das funktioniert nur in einer vertrauensvollen, offenen und freundlichen Atmosphäre. Gleichzeitig musst Du den Mut haben, eine zu persönliche Frage auch mal nicht zu beantworten, wenn Dir das unangenehm wäre. Das kann ein bisschen sowas wie eine Falle sein, weil man einerseits dankbar für die Einladung ist, sich andererseits aber auch nicht zu etwas drängen lassen möchte. Ich war selbst noch nie in der Situation, deswegen habe ich dafür kein Rezept. Bei mir haben Freundlichkeit und Offenheit bisher noch am Besten funktioniert.

5. Danach

Nach der Aufnahme sollte immer noch Zeit für einen Schnack sein. Häufig vertiefen sich hier noch einmal die Themen und vielleicht ergibt sich die Chance für einen zweiten Termin oder eine Gegeneinladung. Ich persönlich bestehe nicht darauf, einen Gastauftritt vor der Veröffentlichung noch einmal anzuhören, auch wenn es angeboten wird. Wenn Du Dich damit wohler fühlst, nimm das Angebot an und sprich Dinge an, die Dir aufgefallen sind. Achte dabei sowohl auf positive wie negative Auffälligkeiten!

Und verlass Dich drauf: Auf der Fahrt nach Hause oder spätestens abends im Bett werden Dir sicher Dinge einfallen, die Du gern noch gesagt oder gefragt hättest.

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